top of page
  • Whatsapp
  • Spotify
  • Instagram
  • Youtube
  • TikTok

Bin ich noch ich? Wenn das Leben plötzlich tiefer wird


Seit längerem habe ich mich heute Nacht mal wieder hingesetzt und geschrieben.


Ich merke schon seit einiger Zeit, dass sich in mir etwas verändert hat. Ich konnte dieses Gefühl lange nicht richtig greifen, weil es nichts ist, was man einfach benennen kann. Es ist keine Traurigkeit. Es fühlt sich auch nicht leer an. Und kalt ist es auch nicht. Trotzdem ist da etwas, das neu ist.


Am ehesten kommt ein Wort dem vielleicht nahe, und selbst das beschreibt es nur teilweise: Melancholie. Aber nicht diese schwere Melancholie, die einen runterzieht oder lähmt. Eher eine stille. Eine, die sich irgendwo im Inneren ausbreitet und alles ein wenig ruhiger werden lässt.


Ich habe in den letzten Wochen immer wieder gemerkt, dass ich mich manchmal anders wahrnehme als früher. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin ein Stück älter geworden. Nicht im Sinne von alt, sondern eher im Sinne von erfahrener. Als hätte ich etwas gesehen oder verstanden, das einen Menschen verändert, ohne dass man genau sagen kann, wann dieser Moment eigentlich passiert ist.


Und gleichzeitig ist das Verrückte daran, dass ich trotzdem noch genauso bin wie vorher. Ich lache noch genauso, ich habe Spaß, ich sitze mit Menschen zusammen und merke, wie gut mir das tut. Ich kann albern sein, ich kann leicht sein, ich kann laut lachen über völlig banale Dinge. Das alles ist noch da.


Und trotzdem gibt es manchmal diesen kurzen Moment, in dem ich mich selbst beobachte und mich frage, ob ich eigentlich noch derselbe Mensch bin wie vorher. Diese Frage kommt nicht aus Panik, sondern eher aus Verwunderung. Weil sich mein Inneres gleichzeitig vertraut und neu anfühlt.


Ich glaube, ich hatte zwischendurch sogar kurz Angst, mich selbst zu verlieren. Meine Leichtigkeit, meine Lustigkeit, dieses Lebendige, das mich eigentlich immer begleitet hat. Aber wenn ich ehrlich in mich hineinspüre, weiß ich auch, dass ich noch da bin. Der gleiche Mensch. Der gleiche Arne.


Ich glaube einfach, dass etwas dazugekommen ist.


Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte sich in mir eine neue Ebene geöffnet. Früher war vieles einfach an der Oberfläche. Man hat gelacht, geredet, Dinge erlebt, Pläne gemacht, und das Leben ist einfach so geflossen. Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass darunter etwas entstanden ist, das vorher so nicht da war.


Wenn ich versuchen müsste, es zu beschreiben, würde ich sagen, es fühlt sich ein bisschen so an, als wäre in mir ein stiller See entstanden.



An der Oberfläche bewegt sich noch alles ganz normal. Da ist immer noch das Leben, das Lachen, Gespräche, Menschen, Alltag. Aber darunter liegt plötzlich eine Tiefe, die ruhig ist.


Und manchmal sitze ich einfach da und spüre genau das. Diese Ruhe, diese Tiefe, die gleichzeitig etwas sehr Friedliches hat und gleichzeitig auch etwas, das mich nachdenklich macht.


Ich glaube, das kommt daher, dass ich etwas erlebt habe, das einen Menschen verändert. Wenn man einen Menschen begleitet, den man liebt. Wenn man merkt, wie sich ein Raum verändert, wenn ein Leben langsam still wird. Wenn man plötzlich versteht, wie dünn diese Grenze zwischen Leben und Tod eigentlich ist.


Solche Momente verändern einen, aber nicht laut und nicht dramatisch. Eher leise. Fast so, als würde sich im Inneren eine Tür öffnen, von der man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und hinter dieser Tür liegt plötzlich eine andere Sicht auf das Leben.


Plötzlich spürt man Dinge intensiver. Ein Gespräch. Ein gemeinsamer Moment. Ein Lachen. Ein Mensch, der einfach nur neben einem sitzt. Dinge, die vorher selbstverständlich wirkten, fühlen sich plötzlich wertvoller an.


Vielleicht ist genau das diese Melancholie, die ich meine. Diese Mischung aus Ruhe, Dankbarkeit, Tiefe und auch einem kleinen Hauch von Wehmut darüber, wie vergänglich alles ist.


Ich habe zwischendurch wirklich gedacht, vielleicht verliere ich meine Leichtigkeit. Vielleicht merken Menschen irgendwann, dass ich mich verändert habe. Und wahrscheinlich stimmt das sogar. Ich habe mich verändert.


Aber nicht im Sinne von Verlust. Sondern im Sinne von Wachstum.


Es ist nur ein neuer Arne dazugekommen. Ein Arne, der Dinge gesehen hat, die man erst versteht, wenn man sie erlebt hat. Ein Arne, der den Tod gesehen hat. Ein Arne, der weiß, wie still ein Raum werden kann, wenn ein Mensch geht.


Und gleichzeitig ist da immer noch der gleiche Mensch, der lachen kann, der Menschen um sich haben möchte, der das Leben spüren will.


Vielleicht ist genau das das Paradoxe daran, dass man das Leben manchmal erst noch tiefer fühlt, wenn man seine Vergänglichkeit wirklich verstanden hat.


Und trotzdem muss ich ehrlich sagen, dass mich dieses Gefühl am Anfang auch verunsichert hat. Ich habe gemerkt, dass sich etwas in mir verändert, aber ich konnte nicht verstehen, was genau da passiert. Ich habe nur gespürt, dass da plötzlich eine neue Tiefe ist, eine neue Ruhe, etwas, das vorher so nicht da war. Und weil ich es nicht einordnen konnte, hat mir das auch ein bisschen Angst gemacht.


Nicht, weil es sich falsch angefühlt hat. Sondern weil ich mich gefragt habe, ob ich mich selbst vielleicht verliere. Ob ich irgendwann nicht mehr der Mensch bin, der ich immer war.


Heute merke ich langsam, dass diese Angst wahrscheinlich einfach daher kam, dass ich dieses neue Gefühl noch nicht kannte.


Vielleicht ist dieses Gefühl, das ich gerade entdecke, gar nichts, wovor man Angst haben muss. Vielleicht ist es einfach das Leben, das einen ein bisschen tiefer werden lässt.


Und vielleicht gehört genau das dazu. Dass man irgendwann versteht, wie vergänglich alles ist und trotzdem jeden Tag wieder aufsteht und weitermacht.


Wir wissen eigentlich alle, dass irgendwann alles verschwindet. Dass Momente vorbeigehen. Dass Menschen gehen. Dass nichts für immer bleibt. Und trotzdem passiert dazwischen so viel Leben.


Gespräche. Begegnungen. Freundschaften. Liebe.



Diese kleinen Momente, die so unscheinbar wirken und am Ende doch alles sind.


Und vielleicht ist genau das der Punkt.


Dass wir dieses Leben nicht perfekt leben müssen. Dass wir nicht immer alles verstehen müssen. Dass wir auch Unsinn reden dürfen.


Ganz ehrlich: Ich will auch Unsinn reden. Ich will manchmal einfach Scheiße labern, laut lachen, Blödsinn erzählen und mitten im Gespräch merken, dass das alles gerade völlig egal ist, solange man zusammen da sitzt.


Denn wenn ich rede, wenn ich lache, wenn ich mit Menschen zusammen bin, dann bedeutet das auch, dass ich nicht einfach verschwinden kann, ohne hier gelebt zu haben.


Ich will auf den Arsch fallen und vor Demütigung sterben. Und dann sollen mich meine besten Freunde wieder aufheben, mich trösten und am Ende vielleicht sogar mit mir darüber lachen.


Ich will mich umentscheiden dürfen. Ich will mich verlieben. Vielleicht sogar immer wieder neu. Ich will Fehler machen. Ich will Dinge fühlen, die nicht perfekt sind.


Weil genau daraus dieses Leben besteht.


Aus kleinen Momenten, die kommen und gehen, während wir mittendrin versuchen, sie zu fühlen.


Vielleicht sind wir am Ende wirklich nur eine Sammlung aus genau diesen Momenten. Ein paar Erinnerungen, ein paar Begegnungen, ein paar Menschen, die uns begleitet haben.


Und trotzdem ist dieses kleine Leben etwas Unglaubliches.


Ein wunderschöner, flüchtiger Moment irgendwo im Universum.



Alles ist irgendwie wichtig und gleichzeitig auch wieder nicht. Das Einzige, was wirklich sicher ist, ist die Zeit. Sie fühlt sich manchmal endlos an und gleichzeitig wissen wir, dass sie begrenzt ist.


Und vielleicht wäre es sogar schade, wenn wir jeden einzelnen Moment vollständig verstehen könnten.


Vielleicht ist es genau das, was das Leben so besonders macht.


Dass wir wissen, dass es endlich ist und trotzdem jeden Tag aufs Neue entscheiden, es zu leben.


Zu lachen.

Zu lieben.

Uns zu verlieben.

Uns wieder aufzurappeln, wenn wir auf den Arsch gefallen sind.


Und vielleicht ist genau das alles, was zählt.


Dass wir irgendwann gehen werden.

Aber vorher wirklich hier waren.

Dass wir gelacht haben.

Dass wir geliebt haben.

Und dass wir dieses Leben nicht einfach nur überstanden haben, sondern gelebt haben.


Und vielleicht gehört auch das noch dazu, wenn ich ehrlich bin.


Trauere ich noch?

Ja.


Ist diese Trauer jetzt plötzlich verschwunden?

Nein.


Ich taste mich nur langsam wieder zurück ins Leben. Schritt für Schritt.


Und während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass mir genau das gerade hilft. Dass Worte manchmal ein Weg sein können, Dinge zu verstehen, die man vorher nur gefühlt hat.


Vielleicht ist dieser Text am Ende einfach nur ein kleiner Moment davon.


Und vielleicht hilft er ja auch jemand anderem ein kleines Stück weiter.



Wenn du dich in diesen Gedanken wiederfindest, schreib mir gerne.

2 Kommentare


Guten Tag Arne,


danke, dass du dich in all deiner Tiefe, mit all deinen Facetten und all deinen Farben in der Welt zeigst.

Deine Sichtbarkeit berührt... mich... und sicher viele andere Menschen ebenso.


Worte, geschrieben, gesprochen, sind nicht nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben. Sie sind ein Gefäß, das wir mit Wertschätzung für den Empfänger füllen können. Sie sind ein Transportmittel für Schwingung, die berührt.


Ich lese deine Beiträge und sie erreichen mich in der Tiefe.

Danke dafür.


Liebe Grüße

Cornelia


Gefällt mir
Arne Janssen
Arne Janssen
15. März
Antwort an

Liebe Cornelia,


vielen Dank für deine so warmen und berührenden Worte. Es ist etwas ganz Besonderes für mich zu lesen, dass meine Gedanken dich erreichen und in dir etwas zum Klingen bringen.


Ich glaube auch, dass Worte manchmal viel mehr sind als nur Buchstaben. Wenn sie aus einem echten Moment entstehen, tragen sie etwas in sich, das man kaum erklären kann, aber das trotzdem von Herz zu Herz weitergegeben wird.


Zu wissen, dass meine Texte dich auf diese Weise berühren, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mir so liebevoll zu schreiben und meine Gedanken auf deinem Weg ein Stück mitzunehmen.


Von Herzen alles Liebe für dich

Arne 🤗

Gefällt mir
bottom of page