Ich habe lange überlegt, ob ich das teilen soll
- Arne Janssen

- 1. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Dieser Text ist kein Ratgeber.
Er ist ein Innehalten.
Ein Brief an mich selbst, zum Beginn dieses neuen Jahres

Ich schreibe diesen Brief nicht, um mich aufzurichten, wenn ich falle.
Nicht, um mir Mut zuzusprechen, den ich mir selbst nicht glauben würde.
Ich schreibe ihn, um mir selbst zu begegnen. Ohne Maske. Ohne Rolle. Ohne Erwartung.
Ich gehe nicht leicht in dieses neue Jahr.
Ich gehe mit einem Herzen, das viel getragen hat.
Mit Verantwortung, die ich mir nicht ausgesucht habe, aber trotzdem halte.
Mit Sorgen um meine Mama, die mich leise begleiten, auch an Tagen, an denen ich lache.
Mit einer Müdigkeit, die nicht vom Schlaf kommt, sondern vom Wachsen.
Und gleichzeitig gehe ich nicht mehr blind hinein.
Ich weiß heute mehr über mich als je zuvor.
Ich erkenne meine Muster, statt mich von ihnen beherrschen zu lassen.
Ich weiß, wo ich mich früher verloren habe und warum.
Ich weiß, wo ich heute stehen bleibe.

Ich habe Wege hinter mir, die niemand gesehen hat.
Innere Prozesse, die leise waren, aber tiefgreifend.
Ich habe mich hinterfragt, mir selbst zugehört, mich korrigiert.
Nicht aus Selbstkritik, sondern aus Bewusstsein.
Ich bin mir selbst näher gekommen.
Und genau darin liegt etwas Kostbares.
Nicht darin, alles verstanden zu haben.
Nicht darin, angekommen zu sein.
Sondern darin, mir selbst nicht mehr auszuweichen.
Ich weiß heute, dass Wachstum nicht laut ist.
Dass Klarheit nicht immer erleichtert.
Und dass Selbsterkenntnis kein Happy End braucht, um wertvoll zu sein.
Manches in mir ist ruhiger geworden.
Manches ehrlicher.
Manches mutiger, gerade weil es nicht mehr kämpfen muss.
Ich vertraue mir heute mehr.
Nicht, weil ich alles im Griff habe.
Sondern weil ich weiß, dass ich mir selbst zuhöre.
Ich habe gelernt, mich nicht mehr selbst zu verlassen, nur damit jemand bleibt.
Ich habe gelernt, dass Tiefe nicht für jeden erreichbar ist.
Dass manche Menschen nur bis zu einem bestimmten Punkt mitgehen können.
Und dass das nichts über meinen Wert sagt.
Es tut trotzdem manchmal weh.
Aber es zerreißt mich nicht mehr.
Dieses Jahr muss nichts beweisen.
Ich muss niemandem zeigen, wie stark ich bin.
Meine Stärke liegt nicht im Aushalten, sondern im Spüren.
Im Innehalten.
Im Ehrlichsein mit mir selbst.
Im Bleiben, wo es unbequem wird.
Im Weichsein, ohne mich zu verlieren.
Ich erkenne heute meine Grenzen und ehre sie.
Ich erkenne meine Tiefe und stehe zu ihr.
Ich erkenne meine Sehnsucht nach echter Verbindung und laufe ihr nicht mehr hinterher.
Ich gehe meinen Weg, auch wenn er still ist.

Es wird Tage geben, an denen ich mich getragen fühle.
Und Tage, an denen ich mich leer fühle.
Aber ich weiß inzwischen, dass beides Wellen sind.
Keine Wahrheiten über mich.
Ich bin nicht zu viel.
Ich bin tief.
Ich bin nicht kompliziert.
Ich bin bewusst.
Ich bin nicht allein.
Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
In diesem Jahr erlaube ich mir, Liebe nicht nur zu geben, sondern auch zu empfangen.
Nicht aus Pflicht.
Nicht aus Angst.
Sondern aus echter Verbundenheit.

Nicht jeder wird bleiben.
Aber die, die bleiben, dürfen mich wirklich sehen.
Und ich darf sie wirklich sehen.
Ich wünsche mir kein perfektes Jahr.
Ich wünsche mir ein echtes.
Eines mit innerer Klarheit.
Mit ehrlichen Begegnungen.
Mit Momenten, in denen ich spüre, dass ich mir selbst vertraue.
Mit dem Wissen, dass ich auf meinem Weg bin.
Ich darf langsam gehen.
Ich darf neu wählen.
Ich darf mich schützen.
Ich darf mich zeigen.
Ich darf hoffen.
Dieses Jahr muss mich nicht verändern.
Es darf mich vertiefen.
Schlussgedanke.......
Vielleicht fragt sich ein Teil in mir, warum ich das überhaupt teile.
Wem das nützen soll.
Ob es nicht zu persönlich ist. Zu nah. Zu sehr ich.
Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Vielleicht braucht es keine Lehren, keine Antworten, keine Anleitung.
Vielleicht reicht es manchmal, wenn jemand ausspricht, wie es sich wirklich anfühlt, Mensch zu sein.
Zwischen Wachstum und Müdigkeit. Zwischen Hoffnung und Zweifel. Zwischen Klarheit und offenen Fragen.
Wenn dieser Text nur einen Menschen erreicht, der sich darin ein kleines Stück wiederfindet,
dann war er nicht umsonst.
Dann war er nicht egoistisch.
Dann war er ehrlich.
Und vielleicht ist Ehrlichkeit der stillste Mehrwert, den wir geben können...
...vielleicht ist genau das der Mehrwert, den ich weitergeben kann.
Nicht eine Lösung.
Nicht eine Anleitung.
Sondern die Erlaubnis, nicht immer stark sein zu müssen, um richtig zu sein.
Die Erlaubnis, innezuhalten, ohne stehenzubleiben.
Sich ernst zu nehmen, ohne sich zu verlieren.
Und dem eigenen Weg zu vertrauen, auch wenn er leise ist.
Wenn du aus diesem Text nur eines mitnimmst, dann vielleicht das
Du musst nicht fertig sein, um wertvoll zu sein.
Du musst nicht wissen, wohin alles führt, um richtig zu gehen.
Manchmal reicht es, ehrlich mit sich zu sein.
Und den nächsten Schritt nicht größer zu machen, als er ist.








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